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Mimuse
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Die Mimuse (Eigenschreibweise: MIMUSE) ist ein jĂ€hrlich stattfindendes Festival fĂŒr Kleinkunst, Kabarett und Comedy in der niedersĂ€chsischen Stadt Langenhagen, im Norden von Hannover: Die Mimuse wurde 1981 von Udo PĂŒschel als ein „Kleines Festival fĂŒr Pantomime, Kabarett, alternatives Theater und etwas Musik“ ins Leben gerufen. Organisiert wird die Mimuse durch den Verein KlangbĂŒchse mit UnterstĂŒtzung der Stadt Langenhagen. Spielorte fĂŒr die Veranstaltungen sind der Theatersaal der Stadt Langenhagen und die KleinkunstbĂŒhne daunstĂ€rs. Zu den beiden Festivalreihen im FrĂŒhjahr und Herbst kommen durchschnittlich ca. 16.000 Besucher.

Contents

‱ Musik
‱ Chronik
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Entwicklung der Mimuse

Die Veranstaltungsreihe mit den Schwerpunkten Kabarett, Musik, Comedy und VarietĂš, die bis heute Bestand hat, wurde im Jahr 1981 von Udo PĂŒschel, seinerzeit Bauingenieur im Langenhagener Stadtplanungsamt, ins Leben gerufen, nachdem der Rat der Stadt Langenhagen dafĂŒr im Rahmen der Kulturförderung 13.000 DM fĂŒr ein alternatives Straßentheater-Festival im Haushalt bereitgestellt hatte.

Im Schul- und Kulturamt der Stadt gab es dafĂŒr allerdings kein Personal. Daher wurde PĂŒschel mit der Planung und DurchfĂŒhrung der Mimuse beauftragt und dafĂŒr von seinen BebauungsplĂ€nen freigestellt. PĂŒschel war Vorsitzender des Stadtjugendringes und hatte mit der von ihm gegrĂŒndeten Arbeitsgruppe KlangbĂŒchse bereits Erfahrung in der Organisation von Folklore-Festivals. Außerdem hatte er 1979 aus Anlass des 20-jĂ€hrigen StadtjubilĂ€ums und im Auftrag des damaligen Stadtdirektors Karl-Heinz Brandt, zusammen mit dem Stadtsprecher Ernst-August Nebig das erste Stadtfest im Langenhagener Flughafen gestaltet.

Entstehung und Charakter des Festivals

So wie die Folklore-Festivals organisierte Udo PĂŒschel mit den Mitgliedern der KlangbĂŒchse auch das erste Langenhagener Kleinkunstfestival, das er „MIMUSE“ nannte, benannt nach der Figur des Komödianten Mimos (griechisch) oder Mimus (lateinisch) im Theater der griechischen und römischen Antike, der das ernste Spiel der Dramen amĂŒsant und satirisch kommentieren und dabei durchaus auch Seitenhiebe auf die Obrigkeiten austeilen durfte.

Das Programm bestand, angelehnt an das bewĂ€hrte Muster der bereits erfolgreichen Folkfestivals, aus drei Hauptveranstaltungen, begleitet von Workshops der teilnehmenden KĂŒnstler und reprĂ€sentierte einen kleinen Querschnitt durch die alternative Kleinkunstszene jener Tage. Unter anderem mit dabei ein im Norden noch unbekannter, junger Kabarettist aus Stuttgart namens Mathias Richling.

Anfangs war der Etat klein und große Namen damit außer Reichweite; also machte PĂŒschel aus der Not eine Tugend und verkĂŒndete: „Wir zeigen Ihnen die KĂŒnstler, die in drei Jahren berĂŒhmt sein werden“. Damit war die Mimuseauch ein Festival fĂŒr erfolgversprechende Newcomer, was nicht mit AnfĂ€nger zu verwechseln ist, denn mitunter sind die KĂŒnstler in ihrer Heimat bereits sehr erfolgreich, ĂŒber ihre originĂ€re Region hinaus dagegen aber noch unbekannt.

Beispiele hierfĂŒr sind 1983 Gerhard Polt und die Biermösl Blosn, Richard Rogler, Mathias Richling, Konrad Beikircher oder Gerd Dudenhöffer oder 1986 Matthias Deutschmann oder auch Nickelodeon, fĂŒr letztere war es 1987 ihre Deutschlandpremiere.

Da die QualitĂ€t aus PĂŒschels Sicht immer mit der Elle der Großstadt Hannover gemessen wurde, wuchs im Laufe der Zeit auch der Anspruch, denn fĂŒr die meisten Hannoveraner war es zunĂ€chst ungewöhnlich, zu kulturellen Veranstaltungen nach Langenhagen zu fahren. Das sollte sich Ă€ndern, denn außer dem kleinen Theater an der Bult des Kabarettisten Dietrich Kittner gab es in Hannover zu der Zeit keine GastspielbĂŒhnen fĂŒr Kleinkunst und Kabarett.

Das Interesse der Zuschauer wuchs stetig und damit auch die Zahl der Veranstaltungen. Damit etablierte sich das Mimuse-Festival im Zusammenspiel von Stadtverwaltung, die das Geld und die RĂ€umlichkeiten gab, sowie der AG KlangbĂŒchse, die das Personal stellte und sich 1983 die Rechtsform eines gemeinnĂŒtzigen Verein gab und ĂŒberhaupt „die treibende Kraft war hinter allem, was in Langenhagen in Sachen Kleinkunst geschah und ohne die das Festival nicht möglich gewesen wĂ€re.“ schrieb die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ).

In den ersten Jahren wurden die Veranstaltungen im Auftrag des Schul- und Kulturamtes der Stadt geplant und durchgefĂŒhrt, von 1984 bis 1988 zeitweilig unterstĂŒtzt von der Jugendpflege und dessen Mitarbeiter Frank Grunwald, der als Partner von Udo PĂŒschel eine etwas andere Sichtweise hatte und der MIMUSE mit seinen Ideen eine neue Farbe hinzufĂŒgte. Als die Jugendpflege sich aus der Planung zurĂŒckzog, fĂŒhrte die KlangbĂŒchse zunehmend mehr eigene Veranstaltungen im Rahmen der Mimuse durch. So dehnte sich das Festival auf 14 Tage aus mit 13 Shows jeweils im FrĂŒhjahr und wurde zu einem Comedy- und Kleinkunstfestival mit ĂŒberregionaler Bedeutung.

Von ihrem ursprĂŒnglichen Termin im FrĂŒhjahr wechselte die Mimusevon 1994 bis zum Jahr 1999 in den Herbst des Jahres und als Reaktion auf ein sich verĂ€nderndes Publikumsverhalten verzichtete die Mimuse ab dem Jahr 2000 auf einen kompakten Festivalablauf mit damals 14 Veranstaltungen in 16 Tagen. Es hatte sich gezeigt, dass die Zuschauer sich mehr auf die Höhepunkte im Theatersaal konzentrierten, was zu Lasten der KleinkunstbĂŒhne daunstĂ€rs ging, wo die Besucherzahlen stetig rĂŒcklĂ€ufig waren. Dank der zeitlichen Ausweitung und damit einer Entzerrung der Programmfolge von Mitte Oktober bis Mitte Dezember hatten die Fans jetzt wieder mehr Zeit und Muße fĂŒr die neuen und noch unbekannten KĂŒnstler, was ja ohnehin seit Anbeginn zum Konzept der Mimuse gehörte.

Im Jahr 1991 eröffnete sich mit EinfĂŒhrung des „Mimuse MaxiMix“ die Möglichkeit, relativ unbekannte neue KĂŒnstler jeweils von namhaften KĂŒnstlern in einem grĂ¶ĂŸeren Rahmen vorzustellen. So etablierten sich in den folgenden Jahren nach diesem Vorbild weitere Mixed-Show-Formate. Dazu zĂ€hlt das Weihnachts-Special „Oh, du fröhliche!“ am Nikolausabend (erstmals 2003), ferner NightWash LIVE (seit 2008), das Erfolgsprogramm der Stand-up-Comedy aus dem TV-Waschsalon in Köln, zugeschnitten auf die Nachwuchstalente dieses Genres, welches immer mehr AnhĂ€nger gefunden hatte.

Nicht umsonst schaffen es, wie die heutigen Stars Carolin Kebekus, Mario Barth, Oliver Pocher oder Lisa Feller zeigen, auch die Nachwuchs-Comedians auf die große BĂŒhne des Fernsehens. Mittlerweile hat die Mimuse einmal mehr bewiesen, dass sie ihren Ruf als Karriere-Sprungbrett zurecht genießt.

Die Mimuse aus der Sicht der Presse

Schon frĂŒh wurde die Presse auf das Langenhagener Kleinkunstfestival aufmerksam:

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) titelte nach der dritten Ausgabe „Mekka der Kleinkunst“ und die Neue Presse schrieb 1986, mit der Mimuse habe Langenhagen „ein Kleinkunstfestival auf die Beine gestellte, dass erst beim Amsterdamer oder Londoner Fools-Festival wieder seinesgleichen findet.“

Matthias Brodowy, Inhaber des Kabarettpreises „Das schwarze Schaf“ und des Deutschen Kleinkunstpreises Kabarett, der wie so manch anderer, heute fernsehbekannte Kollege, seine Karriere als Kabarettist auch im Langenhagener daunstĂ€rs begann, sprach in diesem Zusammenhang von Langenhagen als „dem humoristischen Epizentrum Niedersachsens“.

KĂŒnstler bei der Mimuse: Bekannte Namen und erfolgreiche Newcomer

Im August 2010 ging das 30-jĂ€hrige Mimuse-JubilĂ€um mit einem internationalen Dinner-Spektakel, Ă€hnlich wie im Jahr 1991, in einem historischen Spiegelzelt mit Kabarett, Zauberei, Comedy und Artistik ĂŒber die BĂŒhne.

In den folgenden zehn Jahren standen bei der MIMUSE viele alte Bekannte wie Heinrich Pachl, Erwin Grosche oder Thomas Freitag, aber auch Hannes Wader, Götz Alsmann oder Chris Barber auf der BĂŒhne, aber auch Neuentdeckungen wie das Trio Wildes Holz, das die Blockflöte aus ihrer angestaubten Ecke holte und ihr mit Folk, Klassik und Rock`n Roll Ă  la AC/DC zu ganz neuen HöhenflĂŒgen verhalf. Oder der Österreicher Stefan Waghubinger, 2012 Gewinner des „Schwarzen Schafs vom Niederrhein“ der „österreichisches Jammern und Nörgeln mit deutscher GrĂŒndlichkeit“ betreibt. Nicht zu vergessen das Duo „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“, junge Kleinkunst mit Wiebke Eymess und Friedolin MĂŒller. Ein Wiedersehen gab es 2012 mit Hans Scheibner, der als Liedermacher bereits 1979 beim 2. KlangbĂŒchsen-Folkfestival mit dabei war und seitdem etliche Male, besonders in den achtziger Jahren zu Gast in Langenhagen war. Hagen Rether fĂŒllte mittlerweile den Theatersaal, der fĂŒr Bodo Wartke dagegen schon zu klein geworden war und der deshalb von der MIMUSE im großen Theater am Aegi in Hannover prĂ€sentiert wird.

ZurĂŒck zu den Wurzeln ging es nicht ganz freiwillig, sondern eher dem Umstand geschuldet, dass der Theatersaal im Jahr 2015 von Grund auf saniert werden sollte. Dem damaligen Programmchef der Mimuse, Franz Gottwald und dem Team der KlangbĂŒchse gelang es, als AusweichstĂ€tte die Aula des Schulzentrums zu nutzen, dem Ort, an dem im Juni 1981 die allererste Mimuse ĂŒber die BĂŒhne ging. Die Aula stand im Herbst 2015 allerdings nur an zwei Wochenenden zur VerfĂŒgung, deshalb reduzierte sich das Programmangebot auf der großen BĂŒhne auf gerade mal vier Tage. Dazu aber musste die Technik und alles andere am Freitag erst einmal dorthin und nach der Show am Sonntag wieder zurĂŒckgeschafft werden, denn ab Montag war ja wieder Schule. Die altgedienten KlangbĂŒchsenmitglieder kennen es noch und auch jetzt hieß es wieder: Erst schleppen, dann lachen. Alle anderen Veranstaltungen wurden, soweit möglich, ins daunstĂ€rs verlegt. Nach einer Vorpremiere am 7. Oktober wurde der Saal am 15. Oktober 2016 mit dem offiziellen Mimuse-Start wiedereröffnet.

Mimuse Open Air, ein Kulturzelt und Corona

Die Folgen der Coronapandemie, die im FrĂŒhjahr 2020 in Europa ihren Anfang nahm, waren erheblich und brachten fast das gesamte öffentliche Leben praktisch zum Erliegen, mit dramatischen Auswirkungen nicht nur auf den Kulturbetrieb. Das erste Jahr der Pandemie war geprĂ€gt von teils drastischen Zugangs- und KontaktbeschrĂ€nkungen und einem in der Folge fast völligen Zusammenbruchs der Kulturszene. Und wenn doch einmal gespielt werden durfte, dann nur unter strengen Auflagen und mit sehr detaillierten Hygienekonzepten, deren Umsetzung einen hohen zeitlichen und personellen Aufwand zur Folge hatte. Und dies bei coronabedingt drastisch reduzierten Zuschauerzahlen.

Um weiterhin ein kulturelles Angebot anzubieten und fĂŒr die Langenhagener Bevölkerung sichtbar zu sein, ging die Mimuseim Sommer 2021, inzwischen unter neuer Leitung von Inga Herrmann nach draußen an die frische Luft. Auf dem GelĂ€nde des Jugendtreffs im Stadtteil Wiesenau ging an zwei Tagen im Juli das „MIMUSE-Open Air“ ĂŒber die BĂŒhne. Zwei weitere, diesmal Umsonst & Draußen-Abende im Juli, fanden im Innenhof des Langenhagener Rathauses statt. Coronabedingt mussten indes die meisten anderen Veranstaltungen abgesagt bzw. in das kommende Jahr verschoben werden, mit ungewissem Ausgang.

Die Skepsis war berechtigt, denn im Herbst 2021 kam die nĂ€chste Hiobsbotschaft: Wegen eines schwerwiegenden Wasserschadens wurde der Theatersaal in Langenhagen fĂŒr zunĂ€chst unbekannte Dauer fĂŒr eine umfangreiche Dachsanierung geschlossen.

Als Reaktion auf die Sperrung setzte eine intensive Suche nach einem adĂ€quaten Ersatz ein, der in Form des Kulturzelts auch gefunden wurde, welches im Januar 2022 fĂŒr ein halbes Jahr im Zentrum Langenhagens errichtet wurde. Die Corona-Pandemie und ihre Folgen beherrschten jedoch weiterhin das Geschehen, mit der Folge, dass das Kulturzelt trotz seines einzigartigen Ambientes oft nur halb gefĂŒllt war.

Im April 2023 startete die Mimusedann wieder im inzwischen reparierten Theatersaal Langenhagen nach langer Durststrecke wieder in den normalen Spielbetrieb.

Die KlangbĂŒchse e.V.

Die GrĂŒndung der KlangbĂŒchse e.V.

Im Jahr 1976 grĂŒndete Udo PĂŒschel im Stadtjugendring, seinerzeit dessen 1.Vorsitzender, mit Klaus FrĂŒh sowie Gerd und Axel Gengelbach in Zusammenarbeit mit der Jugendpflege die Arbeitsgemeinschaft KlangbĂŒchse, mit der Aufgabenstellung, Folklorekonzerte und andere kulturelle Veranstaltungen fĂŒr junge Leute zu organisieren. Der anfĂ€ngliche Schwerpunkt auf die Musik gab der KlangbĂŒchse auch gleich ihren Namen. Jazz lag PĂŒschel zwar nĂ€her, aber es sollte etwas sein, das es in Hannover nicht gab und da die hannoversche Folkloreszene damals gerade im Begriff war, sich aufzulösen, fanden die Programmgestalter der KlangbĂŒchse mit Folklore und Kleinkunst angesichts der wenigen Konzertangebote beim großen Nachbarn im SĂŒden genau die richtige MarktlĂŒcke. Und so lautete das inoffizielle Motto denn auch: „Wir zeigen Ihnen, was Sie schon immer in Hannover sehen wollten, aber nicht zu sehen bekamen.“

Mit dem EnglĂ€nder Dave Deighton und der Band Walking People aus Hildesheim ging am 24. September 1976 das allererste Folklorekonzert der KlangbĂŒchse im Freizeitheim Langenhagen mit lediglich zwei zahlenden Zuschauern ĂŒber die BĂŒhne. Aus der Not eine Tugend machend, zogen Musiker wie Publikum aus dem Gruppenraum des Freizeitheims um in das Foyer des Hallenbades nebenan, wo sich prompt noch weitere Zuschauer einfanden.

Zur Einweihung einer FußgĂ€ngerbrĂŒcke ĂŒber die Autobahn veranstaltete die KlangbĂŒchse auf Wunsch der Stadt und mit einem Zuschuss versehen am 11. September 1977 mit dem Sunday Folkmeeting am Silbersee Langenhagen ihr erstes Folklorefestival. Und da kamen schon rund 800 Besucher, auch wenn die Veranstaltung wegen Dauerregens kurzfristig in die Aula der nahen Friedrich-Ebert-Grundschule verlegt werden musste.

Zwei Festivals in Langenhagen – Die Eintragung als Verein

Seitdem sorgte die KlangbĂŒchse in Langenhagen fĂŒr ein regelmĂ€ĂŸiges Konzert- und Kleinkunstangebot. Damit hatte Langenhagen von 1981 bis 1984 schon zwei Festivals im Jahr, im FrĂŒhjahr die MIMUSE und im Herbst das Folkfestival, denn das Sunday Folkmeeting am Silbersee war nur der Auftakt zu einer Serie von sieben erfolgreichen Folkfestivals in Langenhagen. Deren wesentliches Merkmal war, dass es sich bei dem, was die Zuschauer zu hören und zu sehen bekamen, um eine recht umfangreiche Konzertdokumentation des großen Spektrums internationaler Folklore und Liedermacher handelte.

Zusammen mit den regulĂ€ren Veranstaltungen in der laufenden Saison also ein anspruchsvolles Pensum fĂŒr die ca. 15-20 ehrenamtlichen Mitglieder der KlangbĂŒchse. Damit wird klar, dass diese Art der Kulturarbeit neben allem anderen auch ein hohes Maß an BegeisterungsfĂ€higkeit voraussetzt.

Seit 1983 ist die KlangbĂŒchse aus steuerlichen und haftungsrechtlichen GrĂŒnden ein eingetragener Verein, denn mittlerweile wurden nicht nur die Veranstaltungen des Kulturamtes betreut, sondern viele von ihnen auch in Eigenregie durchgefĂŒhrt. Auf das Konto der KlangbĂŒchse e.V. gehen neben den KlangbĂŒchsen-Folkfestivals und der MIMUSE noch weitere Veranstaltungen, heute wĂŒrde man sagen: Formate, wie die Jazzmatineen im daunstĂ€rs ab 1977 und spĂ€ter im Rathaus-Innenhof oder das Stadtfest, dessen Wurzeln in den legendĂ€ren Airport-Partys von 1979 bis 1989 liegen.

Zu ihrem 30-jĂ€hrigen JubilĂ€um erinnerte die KlangbĂŒchse an ihre AnfĂ€nge und die erfolgreichen KlangbĂŒchsen-Folkfestivals und prĂ€sentierte 2006 im Rahmen der Mimuse Musiker und Gruppen, die auch damals schon dabei waren wie Werner LĂ€mmerhirt, Le Clou, die McCalmans aus Schottland und Liederjan.

Die Genres der Mimuse

Es ist das Verdienst der Mimuse, sich insbesondere in den achtziger und neunziger Jahren nicht nur auf die Schwerpunkte Kabarett, Musik und Comedy zu konzentrieren, sondern auch anderen Genres wie dem Theater in seinen vielschichtigen Erscheinungsformen den gebĂŒhrenden Raum zu gewĂ€hren. So etwa einer Kleinkunst der ganz anderen Art, wie beispielsweise das anrĂŒhrende Marionettentheater eines Stephan Blinn oder Jordi Bertran oder das Stuffed Puppet Theatre des Australiers Neville Tranter. Mit seiner literarisch-dramatischen Adaption der „Sieben TodsĂŒnden“, jener Dreiecks-RivalitĂ€t zwischen dem Teufel, Mephisto und Dr. Faustus, der fĂŒr die Macht seine Seele verkauft, riss Tranter das Mimusepublikum zu BegeisterungsstĂŒrmen hin und kam nach diesem Erfolg mit seinem eindrucksvollen Puppentheater fĂŒr Erwachsene noch einige Male nach Langenhagen.

Die Kleinkunst ist ein weites Feld

Gleichermaßen euphorisch reagierten 1991 Publikum und Presse auf Wassily Kandinskys BĂŒhneninszenierung der „Bilder einer Ausstellung“ mit der Musik von Modest Mussorgskij.

FĂŒr die Presse war es nichts weniger als eine Sensation. „Eine BĂŒhnendroge“ schrieb die Neue Presse in Hannover.

Nach diesem ĂŒberwĂ€ltigenden Erfolg wiederholte die Mimuse im Jahr darauf dieses einzigartige Kunsterlebnis der Bauhaus-Epoche. Der Bonner General-Anzeiger schrieb nach der Premiere des StĂŒckes in Bonn: „Zweifellos gehört Kandinskys abstraktes TheaterstĂŒck der ‚Bilder einer Ausstellung‘ zu den interessantesten Kunstexperimenten der zwanziger Jahre.“

Weitere Höhepunkte der Mimuse

1991 waren der bereits erwĂ€hnte Jordi Bertran sowie der Spanier Pep Bou, der ein abendfĂŒllendes Programm nur mit Seifenblasen zeigte. Auch hier Kleinkunst der anderen Art, faszinierend und sehr ungewöhnlich.

Aus Venedig kam das Tag Teatro, ein mitreißendes, dynamisches Commedia dell`Arte-Ensemble. Auf dem International Mime Festival in London waren sie die Stars. Der Daily Telegraph schrieb: „Vom ersten Moment an funktionierte das jahrhundertealte Spiel. Virtuos in Timing und PrĂ€sentation bis zur mitreißenden Ekstase.“ Mit ihrer begeisternden Show voller Slapstick, Artistik, Gesang und sehr viel Humor begeisterten sie auch das Mimuse-Publikum, obwohl alles in italienischer Sprache gespielt wurde, aber das war unwichtig. Wichtig ist die Mimik, die Action, die Spielfreude.

Dass Mozarts Oper „Figaros Hochzeit“ auch als Puppenspiel funktionieren kann, zeigte die Milan Sladek Company auf eher unkonventionelle Art und Weise. Jede der großen Puppen wird nicht wie sonst ĂŒblich, von einer Person gefĂŒhrt, sondern von zwei oder drei, was an die Koordination der Bewegungen in Übereinstimmung mit der Musik allerhöchste Anforderungen stellt.

Das VarietĂš im Programm der Mimuse

Nicht ganz so neu war 1997 das internationale Varietéprogramm FUNtastisch.

Schon 1991 war die Mimuse gewissermaßen zur Vorreiterin der deutschen VarietĂšszene geworden, noch vor dem GOP in Hannover oder dem Wintergarten in Berlin. In einem historischen Spiegelzelt auf dem SchĂŒtzenplatz in Langenhagen prĂ€sentierte Udo PĂŒschel ein hochklassiges VarietĂšprogramm mit Artist/innen, Bauchrednern, Zauberern und Komödiant/innen.

Die Fortsetzung folgte 1995 mit der 15.Ausgabe des Kleinkunstfestivals, das sich mit Hingabe den Clowns und Komödianten widmete. Mit dabei die damalige Creme der nonverbalen Comedy, namhafte und originelle Spaßmacher wie die Mimikrichy-Clowns aus Kiew, die Colombaioni-Clowns aus Italien, Elliot aus Belgien, Olli aus der Schweiz und andere, moderiert von Armin Fischer. Diese Internationale Clowns-Show feierte seine Premiere in Langenhagen und ging anschließend als Exportschlager der MIMUSE auf eine sehr erfolgreiche Deutschland-Tournee.

Nicht genug damit, denn mit der zauberhaften und humorvollen Gala „Alles Hokuspokus“ lieferte die MIMUSE den Show-Teil der Norddeutschen Meisterschaften des Magischen Zirkels, die in Langenhagen ausgetragen wurden. Seit 1997 bis zum Jahr 2019 tourte die VarietĂš Show FUNtastisch mit Udo PĂŒschel als Programmdirektor ebenfalls durch die bundesdeutschen VarietĂš-HĂ€user und war regelmĂ€ĂŸig zu Gast bei der Mimuse.

SpielstÀtten

Zu den SpielstÀtten der Mimuse zÀhlen das daunstÀrs, der Theatersaal Langenhagen und bis 1986 die alte, allerdings denkbar ungeeignete, weil nahezu rundum verglaste Mensa der IGS, die Aula des Schulzentrums, spÀter dann auch der Rathausinnenhof, der Jugendtreff in Wiesenau, die Elisabethkirche und das Langenhagener Kulturzelt.

Die KleinkunstbĂŒhne daunstĂ€rs

Die eigentliche Keimzelle und Heimat der KlangbĂŒchse seit den Anfangstagen war und ist bis heute das kleine, intime daunstĂ€rs, entstanden aus einem Lagerraum im Kellergeschoss des damaligen Freizeitheims neben dem Hallenbad. Damals stand das daunstĂ€rs, auch wenn es noch nicht so hieß, zunĂ€chst ganz im Zeichen der internationalen Folklore und wurde inoffiziell schon als Folkclub Langenhagen gehandelt. Diese Schublade wurde aber schnell zu eng, denn so wollte sich die KlangbĂŒchse nicht festlegen. Jazz gehörte ebenso zum Programm wie auch das Kabarett, welches inzwischen zum eigentlichen Markenzeichen des daunstĂ€rs geworden ist. Seinen heutigen Namen bekam das daunstĂ€rs erst am 11. Januar 1979 und avancierte bald zur Kabarettadresse Nr.1 in der Region, wobei die unkonventionelle Schreibweise fĂŒr einen hohen Wiedererkennungswert sorgt und deshalb garantiert richtig ausgesprochen wird.

Das Hallenbad gibt es inzwischen nicht mehr und in dem GebÀude sind heute neben dem daunstÀrs die Volkshochschule Langenhagen und seit vielen Jahren auch das Mehrgenerationenhaus beheimatet.

Zuvor bekam das daunstĂ€rs durch eine rĂ€umliche Erweiterung einen Technik- und Regieraum, eine LĂŒftung und einen Vorraum mit direktem Ausgang zum Parkplatz als auch in den Saal. Zudem wurde die BĂŒhne im Zuge der Erweiterungsarbeiten an ihren heutigen Platz verlegt. Die Mitglieder der KlangbĂŒchse haben das daunstĂ€rs seinerzeit mit eigenen Mitteln liebevoll umgestaltet und seitdem ist es eine gemĂŒtliche KleinkunstbĂŒhne mit 99 SitzplĂ€tzen, die sich heute noch fast genau so prĂ€sentiert wie damals.


Der Theatersaal Langenhagen

Der Theatersaal in der heutigen Leibniz IGS Langenhagen mit seinen knapp 600 PlĂ€tzen wurde von den HAZ-Kolumnisten Uwe Janssen und Imre Grimm bereits ironisch als „Madison Square Garden am Langenhagener Broadway“ bezeichnet. Hier fanden und finden all die MIMUSE-Veranstaltungen statt, fĂŒr die das daunstĂ€rs mit seinen 99 SitzplĂ€tzen zu klein ist. Alles, was im Bereich Kleinkunst und Kabarett Rang und Namen hat, stand seit den AnfĂ€ngen der MIMUSE bereits auf der BĂŒhne des Theatersaals und viele dieser KĂŒnstler kennen in Langenhagen beide HĂ€user.

Zur Verbesserung der Eingangssituation entstand 1986 vor dem Foyer des Theatersaals ein neues glĂ€sernes Kassenhaus und im Zuge der damaligen Baumaßnahmen wurden sowohl der Saal als auch das Foyer umgestaltet, was zu einer deutlichen Aufwertung der SpielstĂ€tte fĂŒhrte.

Eine zweite, grundlegende Renovierung des Theatersaals erfolgte 2015/2016. Dabei bekam der Saal nicht nur eine neue Bestuhlung – die alten Sitzgelegenheiten wurden fĂŒr einen guten Zweck an die Fans der MIMUSE verkauft – sondern neben einer leistungsstarken BelĂŒftung auch eine neue Licht- und Tontechnik. DarĂŒber hinaus wurden der Saal und das Foyer mit taktilen und visuellen Bodenelementen versehen fĂŒr eine zeitgemĂ€ĂŸe PublikumsertĂŒchtigung im Sinne der Inklusion, um Menschen mit EinschrĂ€nkungen der MobilitĂ€t und des Sehens einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen.

Mimuse Open-Air in Wiesenau

Coronabedingt mussten im FrĂŒhjahr 2021 bekanntlich fast alle Veranstaltungen abgesagt werden, so dass sich die Veranstalter der Mimuse dazu entschlossen, im Juli des Jahres ein dreitĂ€giges Open-Air-Festival mit VarietĂš, Comedy, Kabarett und Musik auf dem GelĂ€nde des Jugendtreffs Wiesenau in Langenhagen durchzufĂŒhren. Wieder einmal packte der gesamte Verein mit an und schleppte, koordinierte und organisierte Kleinkunst an unbekanntem Ort. Mit Hilfe von Fördergeldern hatte der Verein mittlerweile eine professionelle Outdoor-Tonanlage angeschafft und weitere Fördergelder ermöglichten die Anmietung einer großen mobilen BĂŒhne. Drei Tage Dauerregen im Juli waren so nicht eingeplant, aber dennoch war auch dieses Experiment ein voller Erfolg und wurde sowohl von KĂŒnstlern als auch Besuchern hochgelobt. Eine Mischung aus lokalen und ĂŒberregionalen KĂŒnstlern wie John Winston Berta, Leon Braje, Lea Shaepe, Heinz Gröning, Matthias Brodowy und Juliano Rossi fĂŒllten ein buntes dreitĂ€giges Programm.

Kabarett in der Elisabethkirche

Die Jahre 2020 und 2021 waren fĂŒr die Mimuse geprĂ€gt von außergewöhnlichen Maßnahmen und UmstĂ€nden zur Aufrechterhaltung eines stark eingeschrĂ€nkten Kulturbetriebs. Im Zuge dessen gastierte die Mimuse an drei Abenden in der Langenhagener Elisabethkirche. Eine Kooperation mit der Kirchenleitung hatte es möglich gemacht, drei Kabarettabende mit Jens-Heinrich Classen, RenĂš Marik und H. G. Butzko in einem fĂŒr diese Kulturgattung sehr ungewöhnlichen Ambiente durchzufĂŒhren.

Kulturzelt Langenhagen

Kleinkunst unter der Zirkuskuppel hieß das Motto von Februar bis Juli 2022. Das Kulturzelt bot rund 500 SitzplĂ€tze und ging als Ersatz fĂŒr den wassergeschĂ€digten Theatersaal auf eine Anregung von Inga Herrmann zurĂŒck, die damit letztendlich den Rat der Stadt ĂŒberzeugen konnte, im Haushalt eine betrĂ€chtliche Summe fĂŒr Miete und technisches Equipment bereitzustellen, um den Kulturbetrieb in der Flughafenstadt weiter aufrechtzuerhalten. Leider wurde das Zelt im Juli 2022 bereits wieder abgebaut, weil der Rat der Stadt Langenhagen die weitere Finanzierung ablehnte, wohl auch in der Hoffnung auf eine baldige Wiedereröffnung des Theatersaals. Diese Hoffnung erfĂŒllte sich leider nicht. Bis April 2023 hieß es fĂŒr die Mitglieder der KlangbĂŒchse also wieder: Verlegen, schleppen, an anderen Orten spielen.

Programmleitung

Udo PĂŒschel – Vom Stadtplaner zum Kulturbeauftragten

Neben der Mimuse und den Folkfestivals begrĂŒndete Udo PĂŒschel, geboren 1941 in Breslau und aufgewachsen in Oldenburg i/O, zusammen mit Klaus Raap und dem Langenhagener Echo die Reihe der Jazzmatineen und organisierte 1979 gemeinsam mit dem damaligen Stadtsprecher von Langenhagen, Ernst-August Nebig, aus Anlass des 20. Stadtgeburtstags das erste Stadtfest im Flughafen Langenhagen. DafĂŒr holten sie die Langenhagener Vereine mit ins Boot. Mit Ausnahme von 1979 war auch jedes Mal die KlangbĂŒchse mit dabei. Das 1991 erschienene und lĂ€ngst vergriffene Buch „Bilder aus Langenhagen“ von Karl Johaentges und Manfred Hertel geht ebenso auf PĂŒschels Anregung zurĂŒck wie das Langenhagen-Lied von Matthias Brodowy, das inzwischen als Wartemusik im Langenhagener Rathaustelefon lĂ€uft.

Die Kulturarbeit nahm im Lauf der Zeit immer grĂ¶ĂŸere Dimensionen an, die es fĂŒr PĂŒschel zunehmend schwieriger machten, seine Arbeit im Stadtplanungsamt zu bewĂ€ltigen, weshalb er 1986 auf eigenen Wunsch in das Schul- und Kulturamt wechselte, um sich fortan auf die Kulturplanung zu konzentrieren. Den Amtswechsel hatte der damalige Stadtdirektor Brandt noch vor dessen Ausscheiden möglich gemacht.

Inspiriert durch Hanns Dieter HĂŒsch und ein belgisches Spiegelzelt auf dem ehemaligen SchĂŒtzenplatz in Langenhagen und einem Programm mit Bauchrednern, Zauberern und Artisten erinnerte sich PĂŒschel wieder seiner alten Vorlieben Zirkus und VarietĂš. Mit seiner LebensgefĂ€hrtin Renate Burkhardt hatte er 1991 eine KĂŒnstleragentur gegrĂŒndet und bekam spĂ€ter den Auftrag, das Programm fĂŒr die Neueröffnung des GOP in Hannover zu gestalten, fĂŒhrte Regie und stellte auch danach fĂŒr einige Jahre die Programme im GOP Hannover zusammen, mit Moderatoren wie u. a. Volker Pispers und Eckart von Hirschhausen.

2001 eröffnete PĂŒschel mit seinem Programm das VarietĂš Boddenbarsch im Kurhaus Binz auf RĂŒgen, wo er bis 2016 tĂ€tig war.

Zudem hielt PĂŒschel VortrĂ€ge fĂŒr die Interessengemeinschaft der StĂ€dte mit Theatergastspielen (INTHEGA) und war 1993 Jurymitglied beim Festival der Magier auf Mallorca und 2002 beim Internationalen Circusfestival in Budapest.

Im Jahr 2003 verließen Udo PĂŒschel und seine Kollegin Barbara Duncker aus AltersgrĂŒnden das Schul- und Kulturamt Langenhagen. Sein Nachfolger im neu geschaffenen Fachdienst fĂŒr Kultur, Bildung und Sport war Franz Gottwald. Ab diesem Zeitpunkt ist die KlangbĂŒchse e.V. der alleinige Veranstalter der Mimuse.

Mit dem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt im Dezember 2010 wurde Udo PĂŒschel fĂŒr seine Arbeit im Dienst der Kultur in Langenhagen eine besondere Ehrung zu teil. Zu Recht, denn PĂŒschel hat maßgeblich dazu beigetragen, die Stadt Langenhagen, die sonst lediglich fĂŒr den Flughafen bekannt ist, auch auf die bundesdeutsche Kulturlandkarte zu bringen. Den Vereinsvorsitz gab Udo PĂŒschel im Januar 2012 auf und zog sich damit aus dem aktiven Dienst zurĂŒck.

Franz Gottwald – Grafiker und (Flamenco)Gitarrist

Nach PĂŒschel`s RĂŒckzug aus dem aktiven Dienst 2012 ĂŒbernahm Franz Gottwald alleinverantwortlich die Programmgestaltung und wurde 2015 von der Mitgliederversammlung auch zum Vorsitzenden des Vereins KlangbĂŒchse gewĂ€hlt.

Geboren 1954 in Sarstedt bei Hildesheim schrieb der Grafiker, KulturpĂ€dagoge und Flamencogitarrist Franz Gottwald 1986 seine Diplomarbeit zum Studium der KulturpĂ€dagogik ĂŒber seinen Jugendfreund aus „Sarstedter Tagen“ und Scorpions-GrĂŒnder Rudolf Schenker. Gottwald arbeitete zu jener Zeit als Grafiker beim hannoverschen Szene-Magazin Spanner, spĂ€ter magascene.

Auf Initiative von Udo PĂŒschel kam Gottwald 1989 zur KlangbĂŒchse und mit ihm fand auch der Flamenco vermehrt Eingang in das Programm der Mimuse. Gottwald gestaltete die Programme, war als technischer Leiter fĂŒr die BĂŒhnen im Theatersaal und daunstĂ€rs zustĂ€ndig, organisierte die AblĂ€ufe und vieles mehr. Das deutschlandweit erfolgreiche Duo Flamenco mit Franz Gottwald und Victor Svec spielte 1978 bereits auf dem ersten KlangbĂŒchsen-Folkfestival und unter anderem auch bei einer Fiesta Española, einem musikalischen Abend fĂŒr spanische Gastarbeiter und ĂŒberzeugte dabei sogar die zunĂ€chst skeptischen spanischen GĂ€ste.

2008 ging das Festival Flamenco erstmals im Rahmen der MIMUSE ĂŒber die BĂŒhne, mit dabei Franz Gottwald mit seinem Trio Azucar del Norte.

2014 verlieh die 1. StadtrĂ€tin und fĂŒr das Kulturamt zustĂ€ndige Dezernentin Monika Gotzes-Karrasch Gottwald eine Auszeichnung fĂŒr seine 25-jĂ€hrige Arbeit im Dienst fĂŒr die Kultur in Langenhagen. Darin liege die Besonderheit von Gottwalds Arbeit, stellte Gotzes-Karrasch fest: „Die Erledigung Ihrer Aufgaben ist ein kleines KunststĂŒck, eine Gratwanderung zwischen den Strukturen einer Verwaltung, dem Kulturbetrieb mit seinen eigenen Gesetzen und den hilfreichen Ehrenamtlichen des Vereins KlangbĂŒchse“.

Zum Ende des Jahres 2020 ging Franz Gottwald in den Ruhestand, trat aus dem Verein aus und gab den Staffelstab weiter an seine Nachfolgerin Inga Herrmann.

Inga Herrmann – Einstand in schwierigen Zeiten

Im Juni 2020 ĂŒbernahm die Juristin und Veranstaltungsmanagerin Inga Herrmann die Programmleitung der Mimuse. Am 3. September 2020 wurde sie in den geschĂ€ftsfĂŒhrenden Vorstand des Vereins KlangbĂŒchse e.V. gewĂ€hlt. Geboren in Engelbostel lebt sie nach Studium und beruflichen Jahren in Berlin, Mannheim und Hamburg inzwischen wieder in Langenhagen. Die MIMUSE ist nicht neu fĂŒr sie. Schon in den neunziger Jahren war Herrmann bereits als Ehrenamtliche dabei, damals noch als SchĂŒlerin.

Ihr Einstand im Juni 2020 in die Leitung der Mimuse als Programm-Chefin erfolgte allerdings zu einem Zeitpunkt, der wegen der anhaltenden Corona-Pandemie ungĂŒnstiger nicht hĂ€tte sein können. So waren erste Aufgaben zunĂ€chst schlichtweg der Erhalt des Spielbetriebs, die Einhaltung geltender Hygienevorschriften und ein andauerndes Ringen um DurchfĂŒhrung von Veranstaltungen, gleichzeitig geprĂ€gt durch die Herausforderung, das Vereinsleben am Leben zu erhalten und die finanzielle Situation des Vereins durch Fördergelder zu stabilisieren. Die MĂŒhen lohnten sich: In den ersten beiden Jahren unter ihrer Leitung konnte der Verein ĂŒber zehn neue Mitglieder fĂŒr sich gewinnen. Gleichzeitig modernisierte Herrmann den Außenauftritt sowie das Logo der MIMUSE und fĂŒhrte das Festival mit einem stetigeren Auftritt in sozialen Medien ins digitale Zeitalter.

Herrmann fĂŒhrte im Jahr 2021 Outdoor-Veranstaltungen und eine Kooperation mit der Elisabethkirche als Spielort ein und implementierte zwei neue Veranstaltungsformate: Die junge „MIMUSEnow“ sowie MIMUSE Local, bei der lokalen KĂŒnstler aus der Region Hannover eine BĂŒhne bekommen. Nach dem Wasserschaden im Theatersaal war Herrmann maßgeblich mit dem Einrichten des Kulturzeltes befasst, was der MIMUSE eine SpielstĂ€tte und eine grĂ¶ĂŸere Sichtbarkeit im Langenhagener Kulturleben verschaffte.

Plakate und Programmhefte der Mimuse ab 1981

Die Plakate zur Mimuse von 1981 und 1982 Ă€hneln stilistisch noch sehr denen der Folkfestivals. Das zentrale Motiv der DIN A1 Mimuse-Plakate hingegen von 1985 bis 1991 blieb stets der Marionettenspieler mit der Figur des Pierrots, dem Spaßmacher des VarietĂš und des französischen Pantomimetheaters. Inspiriert von dem vom Publikum hochgeschĂ€tzten Marionettenspieler Stephan Blinn, der mit seinen „VarietĂ©-Highlights am seidenen Faden“ bereits mehrfach zu Gast bei der Mimuse war, ist der Pierrot auch heute noch das Markenzeichen der MIMUSE. Auf dem Plakat von 1985 noch als SolokĂŒnstler zu sehen, so teilt sich der kleine Pierrot auf allen nachfolgenden EntwĂŒrfen den Platz mit vielen seiner Kollegen des jeweiligen Programms.

FĂŒr Udo PĂŒschel ging es in den von ihm gestalteten Plakaten um eine graphische Übersetzung ins Bildhafte dessen, was die Kleinkunst in all seiner Vielfalt ausmacht. Interessant ist beispielsweise das Plakat aus dem Jahr 1987, welches in Technik und Gestaltung EinflĂŒsse des Malers, Zeichners und Illustrators Michael Mathias Prechtl aufweist.

1990 wird der Mimus in Gestalt von Mathias Richling auf einem freundlichen Pegasus sitzend von der Muse gekĂŒsst und mit den drei Springteufeln der kleinen Tierschau 1991 endete die Reihe der großen handgezeichneten DIN A1 Plakate.

KĂŒnstler bei der Mimuse

Kabarett/Kleinkunst

Götz Alsmann, Django AsĂŒl, JĂŒrgen Becker, Hennes Bender, Konrad Beikircher, Matthias Beltz, Matthias Brodowy, Martin Buchholz, Gunter Böhnke & Bernd-Lutz Lange, Jochen Busse, HG. Butzko, BĂŒlent Ceylan, Matthias Deutschmann, Vince Ebert, Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie, Christian Ehring, Horst Evers, Ottfried Fischer, Lisa Fitz, Thomas Freitag, Katie Freudenschuss, Erwin Grosche, Otto GrĂŒnmandl, Josef Hader, Dieter Hildebrandt, RĂŒdiger Hoffmann, Franz Hohler, Hanns Dieter HĂŒsch, Janssen & Grimm, Luise Kinseher, Marcel Kösling, Thomas Kreimeyer, Reiner Kröhnert, Frank LĂŒdecke, Herbert Knebel, Jochen Malmsheimer, Manfred Maurenbrecher, Patrizia Moresco, Fritz Muliar, Hanns Meilhamer & Claudia Schlenger, Missfits, Rolf Miller, Alfred Mittermeier, Michael Mittermeier, Herr Momsen, Dieter Nuhr, Christian Überschall, Heinrich Pachl, Sissi Perlinger, Maria Peschek, Volker Pispers, Kalle Pohl, Gerhard Polt, Urban Priol, Arnulf Rating, Hagen Rether, Mathias Richling, Georg Ringsgwandl, Lars Reichow, Richard Rogler, Hans Scheibner, Wilfried Schmickler, Harald Schmidt, Werner Schneyder, Georg Schramm, Klaus-Peter Schreiner, Horst Schroth, Christoph Sieber, Christof StĂ€hlin, Uwe Steimle, Wolfgang Stumph, Dieter SĂŒverkrĂŒp, Suchtpotenzial, Hans Hermann Thielke, Nessi Tausendschön, Max Uthoff, Henning Venske, Gernot Voltz, Stefan Waghubinger, Claus von Wagner, Stephan Wald, Bodo Wartke, Timo Wopp, Detlef Wutschik, Sigi Zimmerschied, Zwingertrio

Musik
Theater & Verwandtes

Bilder einer Ausstellung, Stephan Blinn, Jordi Bertran, Les Funambules, Neville Tranter, Sheer Madness, Tag Teatro di Venezia

Comedy/Clowns/VarietĂš

Adams & Dandridge, Colombaioni-Clowns, Die kleine Tierschau, Desimo, Elliot, Emmi & Willnowsky, GĂŒnter Fortmeier, Habbe & Meik, Gardi Hutter, Illi & Olli, Johann König, Mimikrichy, Paul Morocco & OlĂš, Nickelodeon, Konrad Stöckel, Pic, Salto Vitale, die KGB-Clowns

Chronik

‱ 1982 spielten u. a.: Christof StĂ€hlin, Annette HopfenmĂŒller, Blackout Revuekabarett, Comedia Mundi, KaktusblĂŒte
‱ 1998 spielten u. a.: Martina Brandl, ƞinasi Dikmen, Kabarett A-Z, Arthur Senkrecht, Erwin Grosche, Les Founambules, Der Blonde Emil, PlebsbĂŒttel
‱ 2010 spielten 68 Gruppen und Akteure, u. a.: Erwin Grosche, Stephan Bauer, Horst Schroth

Literatur

‱ KlangbĂŒchse e.V.: 15 Jahre MIMUSE. 1985

Weblinks

‱ Internetauftritt des Mimuse-Festivals
‱ Die Mimuse wird 30 Jahre alt, Hannoversche Allgemeine Zeitung v. 3. August 2010.